Blutgruppenunverträglichkeit

oder

B x A = Tod?

Dies ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern hier soll versucht werden, die Grundproblematik für den medizinischen Laien möglichst verständlich zu beschreiben. Entsprechend geht es nur um einen kleinen Teilbereich, der sehr vereinfacht dargestellt wird. Wer sich tiefergehend informieren möchte, sei auf andere Quellen z.B. im Internet verwiesen.

Zunächst einmal: Ein Liebhaber, der sich ein Kätzchen ins Haus holt, braucht sich keine Gedanken um dessen Blutgruppe zu machen. Dieses Wissen wird nur dann wichtig, wenn eine Bluttransfusion notwendig werden sollte. Das geschieht aber äußerst selten und wird auch nicht in der „normalen“ Tierarztpraxis erfolgen. Die Tierärzte, die so eine Bluttransfusion durchführen, sind natürlich über die Problematik bestens informiert und werden sicher vorher die Blutgruppe bestimmen, was ohne großen Aufwand möglich ist.

Ein Züchter jedoch sollte die Blutgruppen seiner Katzen und deren Paarungspartner kennen, da es sonst unter Umständen bei der Verpaarung einer Katze mit der Blutgruppe B mit einem Kater mit der Blutgruppe A zum Tode der Neugeborenen und schlimmstenfalls auch der Mutterkatze kommen kann!

Um das zu verdeutlichen, müssen wir ein klein wenig ausholen.

 

Die Blutgruppen der Katze:

Der heutige Wissensstand ist, dass es bei Katzen drei Blutgruppen gibt:

- A
- B
- AB (ist keine Kombination, sondern eine eigenständige Blutgruppe)

Untergruppen sind wissenschaftlich bekannt, aber kaum erforscht, daher gibt es nur sehr wenig Literatur darüber. Sie spielen jedoch eine Rolle bei der Konzentration der Antikörper, über die weiter unten gesprochen wird.

Solange es nur den serologischen Test gab, war es für den Züchter schwierig, nähere Aussagen über die Blutgruppen zu erhalten. Seit Entwicklung und Freigabe des Gentests kann man jedoch auf unproblematische Art feststellen lassen, ob die Blutgruppe B von einer anderen Blutgruppe "getragen" wird. Das spielt zwar für die betreffende Katze nur in dem oben erwähnten seltenen Fall einer Bluttransfusion eine Rolle, ist aber von enormer Wichtigkeit für die Planung des Nachwuchses, wie sich noch zeigen wird.
Dieses "Getragen-Werden" der Blutgruppe B muss man sich so vorstellen wie z.B. auch bei der Farbvererbung: Es ist durchaus möglich, dass aus einer Verpaarung einer sealtabby Point Katze mit einem sealtabby Point Kater Nachwuchs in der Farbe lilac Point fallen kann, wenn beide Elterntiere die entsprechenden Erbinformationen tragen.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema - es ergeben sich folgende mögliche Blutgruppen/Trägerschaften (die „getragene“ Blutgruppe wird zur Verdeutlichung klein geschrieben):

- A/a = reinerbig A
- A/b = A trägt Blutgruppe b (nicht zu verwechseln mit der eigenständigen Blutgruppe AB)
- A/ab = A trägt Blutgruppe ab (nicht nachweisbar, aber da in einer mir bekannten Cattery aus Verpaarungen A x A = AB-Kitten zur Welt kamen, muss auch ab getragen werden können)
- B = Blutgruppe B
- AB/ab = reinerbig AB
- AB/b = AB trägt Blutgruppe b

 

Die Blutgruppen der Kitten:

Bei Verpaarungen von Katzen/Katern mit derselben reinerbigen Blutgruppe hat der gesamte Nachwuchs ebenfalls dieselbe Blutgruppe, also:

- Katze A/a x Kater A/a = Nachwuchs ebenfalls immer A/a
- Katze AB/ab x Kater AB/ab = Nachwuchs ebenfalls immer AB/ab
- Katze B x Kater B = Nachwuchs ebenfalls immer B

Bei diesen Verpaarungen gibt es natürlich keinerlei Komplikationen. Ebenso gibt es auch bei Verpaarungen mit der Blutgruppe AB keine gesundheitlichen Probleme, daher werden diese Kombinationen hier außer Acht gelassen.

Wichtig wird die Trägerschaft der Blutgruppe B bei Verpaarungen von A-Katze x A-Kater. Viele Züchter lassen lediglich die Blutgruppe über den serologischen Test bestimmen, nicht jedoch die Trägerschaft, die nur über den Gentest ermittelt werden kann. Haben sowohl Zuchtkatze als auch Zuchtkater die Blutgruppe A, gehen leider immer noch viele Züchter davon aus, dass deren Nachwuchs ebenfalls Blutgruppe A haben muss, was jedoch ein Trugschluss ist, wie wir gleich sehen werden. Aufgrund der Vererbungsvorgänge, auf die hier aus Vereinfachungsgründen nicht eingegangen werden soll, ergeben sich z.B. bei Verpaarungen von Katzen und Katern mit der Blutgruppe A folgende Möglichkeiten:

- Katze A/a x Kater A/a = Nachwuchs: alle A/a
- Katze A/a x Kater A/b (oder umgekehrt) = Nachwuchs: A/a und A/b
- Katze A/b x Kater A/b (oder umgekehrt) = Nachwuchs: A/a, A/b und B !!!!!!!!!
- Katze A/a x Kater B (oder umgekehrt)  = Nachwuchs: alle A/b
- Katze A/b x Kater B (oder umgekehrt)  = Nachwuchs: A/a, A/b und B

Bei diesem kleinen Ausflug in die Genetik wurde festgestellt, dass bei der Verpaarung von zwei Tieren mit der Blutgruppe A Nachwuchs mit der Blutgruppe B fallen kann, wenn beide Elterntiere b tragen. Genau das ist aber vielen Züchtern nicht bewusst und kann doch so gravierende Folgen haben.

Wozu ist das nun wichtig?

 

Die Problematik beim Aufeinandertreffen unterschiedlicher Blutgruppen – B x A = Tod?

Es ist nachgewiesen und messbar, dass Katzen im Laufe von Trächtigkeit, Geburt, Aufzucht und auch bei einer Bluttransfusion Antikörper gegen eine andere als ihre eigene Blutgruppe bilden.

Katzen mit der Blutgruppe AB bilden nur sehr wenige Antikörper gegen Blut einer anderen Blutgruppe, so dass AB-Blut z.B. bei Bluttransfusionen für alle Katzen eingesetzt werden kann.

Katzen mit der Blutgruppe A bilden in einer niedrigen Konzentration Antikörper gegen Blut einer anderen Blutgruppe, so dass es nicht zu Problemen kommt.

Katzen mit der Blutgruppe B bilden jedoch bei „Kontakt“ mit Blut der Blutgruppe A (oder anderen Körperflüssigkeiten) höher konzentrierte Antikörper gegen dieses Blut - und hier kann es zu gravierenden bis tödlichen Problemen kommen. Wie hoch die Konzentration der Antikörper gegen das A-Blut ist, ist durch einen Antikörpertitertest messbar. Allerdings ist die Konzentration der Antikörper abhängig von der jeweiligen Untergruppe der Blutgruppe B und verändert sich im Verlauf von Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht.

Wird eine Katze mit der Blutgruppe B von einem Kater mit der Blutgruppe A/a gedeckt, so werden alle Kitten die Blutgruppe A/b bekommen. Während der Trächtigkeit gibt es keine Komplikationen, da die Antikörper von Blutgruppe B gegen Blutgruppe A nicht über die Plazenta oder andere Körperflüssigkeiten vom Blut der Mutter in das Blut der Kitten gelangen können.  Ist der Wurf aber geboren und die Kleinen beginnen Muttermilch zu trinken, so nehmen sie darüber von der Mutterkatze mit der Blutgruppe B die Antikörper gegen Blutgruppe A auf.  Diese gelangen dann mit der Milch über den Darm in das Blut der Kitten und zerstören dort die roten Blutkörperchen.

Eine Schilderung des nun folgenden qualvollen Sterbens, das mehrere Tage dauern kann, möchte ich dem Leser ersparen!

Kennt ein Züchter also die Blutgruppen seiner Katze und des Deckkaters nicht oder ist sich der Problematik nicht bewusst, verstirbt ihm möglicherweise bei so einer Verpaarung (B-Katze x A-Kater) der komplette Wurf innerhalb kurzer Zeit. Manche Züchter nehmen das Risiko in Kauf, trennen jedoch die Kitten für die ersten 24, 36, 48 oder sogar 96 Stunden von der Mutter. Eine Garantie für die problemlose Aufzucht der Kleinen ist das dennoch nicht, denn wenn die Konzentration der Antikörper sehr hoch ist, können die Kitten auch noch weit nach dieser Zeit gesundheitlichen Schaden erleiden. Hier kommen die o.g. Blutgruppe-B-Untergruppen wieder ins Spiel, über die leider nicht viel bekannt ist. Gesichert scheint allerdings, dass sie für die unterschiedliche Konzentration der Antikörper gegen Blutgruppe A verantwortlich sind. Diese sich ständig verändernde Konzentration der Antikörper im Blut der B-Mutter kann durch einen Antikörpertitertest festgestellt werden, wodurch natürlich nur der gerade aktuelle Wert ermittelt wird.

Wird eine Katze mit der Blutgruppe B von einem Kater mit der Blutgruppe A/b gedeckt, so können die Kitten (wie oben dargestellt) die Blutgruppen A/a, A/b und B haben. Die gesundheitlichen Folgen für die A/a-Kitten wurden vorgenannt geschildert, bei den A/b-Kitten bestehen diese in abgeschwächter Form, die B-Kitten werden keine Probleme bekommen.

Nur am Rande sei erwähnt, dass bei einer Verpaarung einer Katze mit der Blutgruppe A/a oder A/b mit einem Kater mit der Blutgruppe B keine Probleme auftreten, weil die Konzentration der mütterlichen Antikörper der Blutgruppe A gegen Blut einer anderen Blutgruppe nicht so hoch ist, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen zu befürchten wären. Es spricht also nichts dagegen, mit einem B-Kater zu züchten, sofern die Blutgruppen der weiblichen Kitten, die  aus dieser Verpaarung ev. in die Zucht genommen werden sollen, aus vorgenannten Gründen getestet und berücksichtigt werden.

Seit dies bekannt ist und sich immer mehr Züchter danach richten, hat die Kittensterblichkeit erheblich abgenommen.

Weniger bekannt und nicht so auffällig ist, dass nicht nur der Nachwuchs mit Blutgruppe A durch die Antikörper der Blutgruppe-B-Mutter Schaden erleiden, sondern auch die Mutterkatze selbst gesundheitlich stark beeinträchtigt werden kann. Beim Geburtsvorgang und der Aufzucht nimmt sie durch das Abnabeln, Fressen der Plazenta, Urin und Kot der Kitten Anteile der A-Blutgruppe in sich auf, die dann wiederum zu einer Abwehrreaktion bei der B-Mutter führen. Dies kann eine Anämie bewirken, die unentdeckt und unbehandelt zum Tod der Mutterkatze führen kann.

Aber es ist auch möglich, dass dadurch Leber und Niere der Mutter geschädigt werden und die Katze vielleicht erst Monate später an Organversagen verstirbt, so dass meist kein Zusammenhang mehr mit der ursächlichen Risikoverpaarung hergestellt wird. Auf diesem Gebiet ist allerdings noch sehr viel Forschungsarbeit zu leisten.

Es gibt Erfahrungen, die muss man nicht selbst machen – die genannten Folgen einer Verpaarung B-Katze x A-Kater gehören für mich dazu.

Daher züchte ich nur mit A-Katzen und gebe auch keine Katze mit der Blutgruppe B in die Zucht ab.

© 2014 A. Kersten

Ich bedanke mich herzlichst bei Bettina Suvi Rode (Cattery „Las Perlas-sin“), die mich an ihrem unglaublichen Wissens- und Erfahrungsschatz aus jahrzehntelanger Zucht teilhaben lässt und mir meine vielen Fragen stets unermüdlich beantwortet!